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Dirk Strothmann bejubelte nach 2004 seinen zweiten Sieg in Werther
und wehrte alle Attacken von Michael Brand ab.

Das besondere Flair beflügelt
Dirk Strothmann und Kirsten Heckmann beim Böckstiegel-Lauf vorn

Von Gunnar Feicht und Sören Voss (Texte und Fotos)

Werther(WB). »Ich wollte eigentlich gar nicht dermaßen schnell laufen. Aber die Beine fühlten sich so gut an...« Was die vielen hundert Hobbysportler spürten, galt auch für Siegerin Kirsten Heckmann: Das ganz besondere Flair des Böckstiegel-Laufs hat beflügelnde Wirkung.
Kirsten Heckmann hat das »Double« geschafft.
Zum dritten Mal zog Ostwestfalens zweitgrößter Landschaftslauf über 18 km zwischen dem Teutoburger-Wald-Pass »Peter auf'm Berge« und der Wertheraner City 1000 Aktive an: 825 Läuferinnen und Läufer, 66 Walking-Sportler und 85 Kinder und Jugendliche beim 3-km-Schülerlauf. Nach der einzigen unfreiwilligen Dusche kurz vor dem Start konnten sie bei herrlichem Spätsommerwetter das Lauferlebnis – präsentiert vom WESTFALEN-BLATT – auf den Spuren des berühmten Wertheraner Malers Peter August Böckstiegel genießen.
An der Spitze musste sich Dirk Strothmann ganz schön strecken. Der Borgholzhausener aus den Reihen des Ausrichters LC Solbad Ravensberg hatte sich in der Führungsposition der Attacken von Michael Brand (Non Stop Ultra Brakel) zu erwehren. Nach dem längsten Anstieg vorübergehend abgeschüttelt, kämpfte sich Brand, im April Fünfter beim Hermannslauf, drei Kilometer vorm Ziel wieder dicht an den Favoriten heran. »Aber dann fehlte mir doch das Stehvermögen. Nach einem Fahrradunfall vor sechs Wochen mit einer schmerzhaften Schulterverletzung war das mein erster Wettkampf unter voller Belastung«, sagte Brand, der mit Rang zwei vollauf zufrieden war.
Auch Jörn Strothmann, der jüngere Bruder des Siegers, hatte an Platz drei nichts auszusetzen. Der Allrounder vom LC Solbad muss eben manchmal mit schweren Beinen dafür büßen, dass er kaum eine sportliche Herausforderung auslässt: Zwei Wochen zuvor hatte er sich in einem Speedskater-Rennen mit den Spezialisten der Inliner-Szene gemessen, am Wochenende darauf war er beim Borgholzhausener »Skyathlon«, einer bergigen Härteprüfung aus Laufen und Rad fahren, auf Platz vier gelandet.
Ein einsames Rennen lief Kirsten Heckmann (SV Brackwede) als schnellste Frau, gewann nach dem Hermannslauf jetzt auch den »Böckstiegel« – ein Double, das in OWL einen hohen Stellenwert genießt. 1:54 Min. betrug ihr Vorsprung auf Orientierungslauf-Spezialistin Karin Schmalfeld (ASG Teutoburger Wald), die nach krankheitsbedingter Pause noch nicht ihre Bestform erreichte. Nach zwei vergeblichen »Anläufen« war für Kirsten Heckmann der Start in Werther diesmal Ehrensache: »Zum dritten Mal stand ich hier auf der Meldeliste, in den beiden ersten Jahren konnte ich dann doch nicht laufen.« Jetzt hofft die 29-Jährige, dass sich ihr flottes Tempo (Siegerzeit: 1:12:32 Std.) nicht rächt. In nur einer Woche steht der Start bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in München an, auf die sie sich seit Mitte Juli intensiv vorbereitet: »Eigentlich stecke ich solche Belastungen gut weg. Aber mein Trainer Wolfgang Mückner-Dellinger, der weiß noch gar nicht, dass ich hier gelaufen bin ...«
Neben der »Familie Strothmann« vom LC Solbad (Dirk 1., seine Frau Antje 5., sein Bruder Jörn 3.) setzten sich auch die Gebrüder Schulz aus Bielefeld geschlossen stark in Szene: Konrad, Waldemar und Robert belegten in dieser Reihenfolge die Plätze sechs bis acht.


Auch die Stärkungen am Ziel stammten aus Wertheraner Produktion:
Der Apfelhof Linhorst hatte frisches Obst geliefert.

Der Start zum 3. Böckstiegel-Lauf:
891 Sportler versuchten sich an den 18 Kilometern von »Peter auf'm Berge« nach Werther.

Ein schweres Zelt hätte den Sieger fast gestoppt
Dirk Strothmann gewinnt dennoch zum zweiten Mal

Von Oliver Kreth

Werther(WB). Fast hätte ihn ein Zelt gestoppt. Beim Abbau und Transport verhob er sich den Rücken, so dass er vor und nach dem Böckstiegel-Lauf einen Nierengurt tragen musste. Aber auch so lief Dirk Strothmann zu seinem zweiten Sieg bei der dritten Auflage.
Auch die anderen Vorraussetzungen waren für den 37-Jährigen nicht optimal. Zur Vorbereitung für den Essener Traditions-Marathon »Rund um den Baldeneysee« 2005 zum Beispiel, dort stellte er seine Bestleistung von 2:27,10 Stunden auf, legte er wöchentlich 120 Kilometer zurück. Vor den Lauf am Samstag hatte er nur etwa ein Drittel der Kilometer »gefressen«. Doch es reichte zum Triumph in 1:02,44 Stunden.
Aber »ich hatte eine gefährliche Taktik, bin von der Spitze weg gelaufen«. Ein Vorteil des späteren Gewinners: Im Gegensatz zu vielen anderen kommt er mit dem Bergablaufen gut klar. Und an einem langen Anstieg setzte er sich dann entscheidend ab. Strothmann: »Aber es hätte auch schief gehen können.«
Für Strothmann sind Wettkämpfe »etwas besonderes«. Zehn bis zwölf bestreitet er pro Jahr, darunter sind vier bis fünf Läufe. Seine zweite große Stärke ist der Duathlon (laufen, Rad fahren, laufen). Im April wurde er bei der Europameisterschaft Dritter.
Ein nicht ganz billiges »Hobby« übrigens. So verschleißt er Wettkampfschuhe nach nur 800 Kilometern. »Trainingsschuhe halten etwas länger.«
Neben dem Wettkampf besteht die Faszination seines Sports für den Familienvater aber vor allem im Aufenthalt in der Natur, deshalb »lasse ich das Auto auch so häufig wie möglich stehen und fahre mit dem Rad. Es ist eine Lebenseinstellung«.
Erst relativ spät begann er Wettbewerbe zu bestreiten – mit 20. Aber auch mit 37 hat er noch Ziele. So will er seine Bestzeit über den 42,195-Kilometer-Klassiker noch einmal verbessern. Eine Zeit von »2:25 ist realistisch«. Um in diese Sphäre einzudringen, will er wieder auf den Rat seiner Frau Antje hören. »Sie hat mir schon vor dem Lauf in Essen einen Plan gemacht. Sonst trainiere ich nach Gefühl, aber ich habe gemerkt, was man da rausholen kann.« Sechs bis acht Wochen vor einem Rennen macht er Ernst: »Länger brauche ich nicht, denn mein Lauffundament ist so gut.«
Unerlaubte Mittel zur Leistungssteigerung sind ihm ein Graus – auch ein Grund, warum er sich in seinem Metier so wohl fühlt, denn »ich bin mir sicher: Bei uns geht es sauber zu«.

Volksfest auf Venghauss-Platz
Viele Erfolgserlebnisse – nicht nur für das Siegerduo Strothmann/Heckmann

Von Gunnar Feicht

Werther(WB). »Alles wird gut« – die Mutmacher-Parole auf seinem T-Shirt hätte er gar nicht gebraucht. Niko Meyer-Thurow war im Ziel mit sich und der Sportler-Welt zufrieden: »Zweieinhalb Minuten schneller als im Vorjahr - und auch organisatorisch hat mir der Lauf super gefallen.« Der konditionsstarke Bezirksliga-Handballer von TG Hörste II sprach für viele der insgesamt circa 1000 Teilnehmer: Der dritte Böckstiegel-Lauf – präsentiert vom WESTFALEN-BLATT und Active Sportshop – war eine runde Sache.
Kurz vor dem Start entlud sich noch eine dunkle Wolke über dem Startbereich auf dem Wanderparkplatz Peter auf'm Berge, so dass etliche Teilnehmer unter das Blätterdach der Bäume flüchteten. »Sehen wir's mal als willkommene Erfrischung«, gewann Veranstaltungs-Sprecher Friedhelm Boschulte dem heftigen Regenguss die positiven Seiten ab. Und von da an wurden die Sportler dann auch von idealen Bedingungen begleitet. Die beflügelten auf den 18 Kilometern bis zum Ziel auf dem Wertheraner Venghaussplatz nicht nur die Sieger Dirk Strothmann und Kirsten Heckmann (ausführliche Berichte im überregionalen Sportteil). Nein, sie halfen den Teilnehmern auch über manchen Tiefpunkt hinweg, der auf dem anspruchsvollen Kurs durch den Teuto, durch Isingdorf und Arrode nicht ausbleiben konnte.
So hatten viele ihre persönlichen Erfolgserlebnisse. Zum Beispiel Herbert Exner (53), Altliga-Fußballer des SC Halle: »Ich war jetzt zum dritten Mal dabei, habe meine Zeit von 2005 um drei Minuten verbessert. Hermannslauf, Nacht von Borgholzhausen und der Böckstiegel-Lauf: Das sind meine drei läuferischen Highlights – und jetzt konzentriere ich mich ganz auf die Altliga-Hallenrunde.« Konditionell dürfte ihm da angesichts einer Böckstiegel-Zeit von 1:19:22 Std. und Platz 7 in seiner Altersklasse kaum jemand etwas vormachen.
Für viele fast genauso schön wie das Lauferlebnis: Der begeisterte Empfang durch Zuschauer, Familie und Bekannte am Ziel auf dem Wertheraner Venghaussplatz – und dann ein Plausch mit dem »Konkurrenten« oder dem Leigensgenossen, mit dem man die Müdigkeit auf dem letzten Kilometer geteilt hat. Im Massagezelt der Physiotherapie Majer kamen die müden Beine wieder in Schwung, nebenan löschte ein kostenlos ausgeschenktes alkoholfreies Bier den Durst. »Organisatorisch haben wir uns gegenüber dem Vorjahr noch einmal gesteigert. Auch mit der Teilnehmerzahl kann man angesichts von Ferienbeginn und dem Feiertag nach dem Wochenende absolut zufrieden sein«, bilanzierte Friedhelm Boschulte im Namen der Veranstaltergemeinschaft aus LC Solbad, Werbegemeinschaft Werther und Böckstiegel-Freundeskreis. Die einzige Panne »nehmen wir auf unsere Kappe«, so Boschulte: An der zweiten Verpflegungsstelle waren zu früh die Getränke ausgegangen, so dass sich die langsameren Läufer hier nicht mehr erfrischen konnten.
Der LC Solbad Ravensberg trat nicht nur gemeinsam mit Werbegemeinschaft Werther und Böckstiegel-Freundeskreis bei der Organisation in Erscheinung, sondern war auch sportlich überaus erfolgreich. Neben den Plätzen eins und drei in der Gesamtwertung für die Gebrüder Strothmann gab es etliche weitere Altersklassensiege: Antje Strothmann (W35/Gesamt-Fünfte bei den Frauen in 1:15:41), Marianne Niemann (W50/1:27:17), Jürgen Bischof (M45/1:10:14), Jürgen Schönke (M55/1:17:04) und Harry Bunte (M70/1:30:00) waren in ihrer jeweiligen Altersgruppe die Nr. 1.

Böckstiegellauf ist eine echte Familiensache
Werther läuft mit, Werther packt mit an: Majers Massagezelt war eine gelungene Premiere

Von Dunja Henkenjohann

Werther(WB). Familie Majer hatte am Wochenende alle Hände voll zu tun. Während Papa Markus Majer und Mama Hilke Engel-Majer sich noch laufend auf den Spuren Böckstiegels bewegten, ließen sich die Töchter Josie Ann und Leslie nach ihrem Drei-Kilometer-Schülerlauf bereits im Massagezelt verwöhnen. Kaum hatten auch die Eltern das Sportliche hinter sich gebracht, packten die Physiotherapeuten im eigenen Zelt mit an. Der Böckstiegellauf ist eben eine richtige Familiensache.
Auch im Hause Anselmetti wurden am Samstag die Laufschuhe geschnürt: Während Mama Christine Tochter Chiara beim Schülerlauf anfeuerte, nahm Papa Dario, zweiter Vorsitzender des EGW-Schulvereins, die 18-Kilometer des Hauptlaufs unter die Füße.
Für Felix Demoliner war der Drei-Kilometer-Schülerlauf seine bisher längste Strecke. An der Seite des kleinen Fußballers lief auch Papa Rainer, der im vergangenen Jahr noch als schnellster Wertheraner auf dem Treppchen gestanden hatte. In diesem Jahr musste der Rathaus-Mitarbeiter allerdings seinen Marathon aus der Vorwoche auskurieren.
»Werther bewegt sich« – das hat Moderator Friedhelm Boschulte immer wieder betont. Tatsächlich: Auch Verwaltungs-Vize Willi Rose nahm die Walking-Stöcke zur Hand, während Sohn Dominik seine Laufpremiere feierte. Die Rathaus-Mitarbeiter Guido Neugebauer und Jens Kreiensiek waren genauso dabei wie der Allgemeinmediziner Dr. Matthias Stratmann, Kirchenchor-Leiterin Christiane Schönfeld, Landwirt Stephan Junge-Wentrup oder Apotheker Michael Faber. Der Wertheraner Rainer Horstmannshoff passierte sogar als schnellster Walker das Ziel.
Und während knapp 1000 Sportler unterwegs waren, kamen auch hinter den Kulissen unzählige freiwillige Helfer ins Schwitzen: Die Freiwillige Feuerwehr sorgte für Duschzelte, Schüler des Ev. Gymnasiums nahmen bei Peter auf'm Berge die Kleidersäcke der Sportler entgegen und teilten sie später an der Grundschule wieder aus. Die Damen um Sigrid Uphaus servierten vor dem Bankverein selbstgebackene Kuchen, während das Team der Praxis für Physiotherapie Majer die Sportler mit Regenerationsmassagen auf Vordermann brachte. Ein Angebot, dass beim dritten Böckstiegllauf nicht nur die »Profis« gerne in Anspruch nahmen. Auch die Teilnehmer des Schülerlaufs genossen das Verwöhnprogramm auf der Massagebank – damit sie fit in die Ferien durchstarten können.

Nora Niemann, Silke Redecker und Kristin Rickes (v.l.) von der Physiotherapie-Praxis Majer massierten die geschafften Teilnehmer des Schülerlaufs: Carolin Ermhausen sowie Josie Ann und Leslie Majer.
Die EGW-Schüler waren verantwortlich für die Kleidersäcke (v.l.):
Kirsten Kahmann, Matthias Jörke, Carina Dittrich, Laura Güttler und Tino Diekhaus.
Das Ziel ist nah: Alexandros Tsiatouras aus Werther
klatscht auf der Ravensberger Straße bereits seine »Fans« ab.
Nur drei Wochen nach dem Jungfrau-Marathon schon wieder bergtauglich:
Richard Schürmann (li.). Antje Strothmann erreichte Platz 5, links Jürgen Schönke (1. M55).