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2. Böckstiegel-Lauf: 1094 Aktive trotzen Unbilden der Witterung
Gute Laune kontra graue Wolken
Prima Stimmung schlägt Wetterfrust - Bescheidene Sieger aus Kenia

Von Gunnar Feicht und  Sören Voss (Texte und Fotos)

Werther(WB). Die Laune der Aktiven, sie war erheblich besser als der matschige Untergrund im Teuto: »Wieso, ist doch ideales Wetter zum Laufen«, grinste Bernd Lochmüller im Ziel des 2. Böckstiegel-Laufes. Geschafft, aber stolz und zufrieden, es »gepackt« zu haben - so wie 1093 andere, die den Wertheraner Venghaussplatz erreichten.
»War ja auch als Fußballer schon mein Wetter, wenn die Kugel so schön über den nassen Rasen zischte.« Lochmüller, der frühere Steinhagener Verbandsliga-Kicker, trug die Witterung mit Fassung. Dicke Schlammrückstände auf Beinen, Kleidung und Schuhen beseitigten hinterher Dusche und Wasserschlauch. Das Erlebnis, sich auf 18 Kilometern über Berg und Tal selbst »besiegt« zu haben, aber bleibt. Und macht Lust auf mehr: Nach einem heißen Tee auf seinen dritten erfolgreich bestandenen Volkslauf erkundigte sich Bernd Lochmüller schon nach den Terminen für den Christkindllauf Wiedenbrück, den Gütersloher Silvesterlauf und den Halbmarathon auf Mallorca...
Dass an der Spitze kurzfristig nachgemeldete Läuferasse aus Kenia den Takt bestimmten, trugen die ostwestfälischen Mitfavoriten mit Fassung. Karin Schmalfeld (ASG Teutoburger Wald) war mit dem zweiten Platz hinter Paris Powyo durchaus zufrieden: »Dass ihr Tempo zu hoch war, musste ich bald erkennen. Aber ich bin fast die Vorjahres-Siegerzeit von Anke Kemmener gelaufen - das ist vollkommen okay.« Bei den Männern trieb Ex-Hermannslaufsieger Marcus Biehl Gewinner David Plimo zur neuen Streckenrekordzeit (Bericht im Bundessport). Jörn Strothmann (Solbad), als Vierter bester Altkreis-Läufer, grämte sich nicht, dass er seinen Bruder Dirk nicht als Sieger beerben konnte: »Ich bin zwar in den ausgewaschenen Passagen einmal umgeknickt, aber mehr war heute auch nicht drin. Dazu hatte ich nicht genug trainiert.« Die Kenianer begnügten sich mit Präsenten und Einkaufsgutscheinen für ihre Streckenrekorde. Auch die Schützlinge von Coach Volker Wagner hatten kein Startgeld kassiert, denn der Volkslaufcharakter ist den Organisatoren um Hans-Werner Böhme (Werbegemeinschaft) und Friedhelm Boschulte (LC Solbad) viel wert.
In dieser Hinsicht war die zweite Auflage, maßgeblich unterstützt vom WESTFALEN-BLATT, wieder ein Volltreffer. Die Teilnehmerzahl spricht für sich. Kleinere Pannen (wegen der Nässe lösten sich etliche Startnummern von den Kleiderbeuteln) trugen die Aktiven gelassen. Wer auf den glitschigen Bergabpassagen zu Fall kam, war meistens schnell wieder auf den Beinen. Lediglich bei einer Unterarmverletzung mussten Johanniter-Unfallhilfe und Rennarzt Dr. Decius eingreifen. Die Feuerwehren aus Werther und Borgholzhausen sorgten mit zwei Duschzelten für ausreichend heißes Wasser nach der »Schlammschlacht« am Teuto.
Stark auch die sportliche Bilanz für den Altkreis: Neben der herausragenden Leistung von Andreas Ewert (als M40-Sieger Gesamt-Fünfter) verbuchte der LC Solbad weitere Altersklassenerfolge: Jörn Strothmann (M30), Wilfried Möller (M50), Jürgen Schönke (M55), Helge Zenner (B-Jugend), Harry Bunte (M70), Annegret Albersmann (W45) und Annemarie Henkel (W60).

Trip-Trap Ströhn unterwegs
Fernab der Spitze: unterschiedliche Ziele im großen Feld

Werther(WB). »Der letzte Streckenabschnitt über die Schloßstraße zieht und zieht sich - da merkt man erstmal, wie lang drei Kilometern sein können ...« Maik Hahn, Handballtorwart des Verbandsligisten SF Loxten, sprach im Ziel aus, was viele Hobbyläufer empfanden: Die Herausforderung Böckstiegel-Lauf ist mit dem schweren Anstieg zum 316 Meter hohen Hengeberg noch längst nicht gemeistert. Der lange »Heimweg«, vorbei am Geburtshaus des Namensgebers in Arrode, fordert die letzten Kraftreserven.
Umso mehr genossen die Freizeitjogger am Ziel in Werthers guter Stube den Beifall von Angehörigen und Freunden. Das Beispiel Maik Hahn steht für viele im wachsenden Feld der Volksläufer: »Trip-Trap Ströhn« heißt die Laufgruppe, zu der sich Hahn mit Brockhagener Handballern wie Stefan Filges und Tom Werner zusammengetan hat. Zweimal pro Woche tun sie gemeinsam etwas für die Kondition, hatten sich mit etlichen Einheiten »im Berg« auch speziell auf die 18 km am Samstag vorbereitet. Der Spaß am gemeinsamen Ausdauersport hat unterschiedliche Aspekte: »Mir gefällt die angenehme Atmosphäre unter den Läufern. Außerdem ist das ein super mentales Training, wenn man sich eine lange Steigung hochkämpfen muss«, sagt der ehemalige Zweitliga-Keeper Hahn.
Als er 1981 mit dem TuS Nettelstedt Handball-Europacupsieger wurde, hätte Hartmut Kania vom zweiten sportlichen Meilenstein 24 Jahre später kaum zu träumen gewagt: Am letzten September-Sonntag lief der Wertheraner in Berlin seinen ersten Marathon, Samstag darauf schon wieder die 18 Böckstiegel-Kilometer. Wie er das verdaut habe? »Erstaunlich gut«, wunderte sich der frühere Nationalspieler selbst. »Montag nach Berlin haben die Beine noch ganz schön geschmerzt, Mittwoch im Wald habe ich mir einigermaßen die Müdigkeit aus den Muskeln gelaufen. Es hat sich doch gelohnt, im Sommer manchmal um 5 Uhr früh aufzustehen, um die nötigen Kilometer abzuspulen.«
Die persönlichen Ziele sind ganz unterschiedlich im großen Feld. Für Andreas Berndt, ehemaliger Fußballstratege des SV Häger und mittlerweile in Köln zu Hause, war die »Schlammschlacht« auch eine Entdeckungsreise: »Da waren Streckenabschnitte drin, die ich von unserem früheren Lauftraining noch gar nicht kannte.« Weil er zum regelmäßigen Fußballspielen nicht mehr kommt, joggt er jetzt zweimal pro Woche und bestritt in Werther seinen zweiten Volkslauf. Noch ernster nimmt sein früherer Teamkollege Ralf Milsmann das neue Hobby: Bereits im Vorjahr dabei, verbesserte er seine Zeit von 2004 um drei Minuten. »Um mich selbst etwas unter Druck zu setzen, habe ich für die Active-Winterlaufcup-Serie gemeldet.« Auf dem Fußballrasen der antrittsschnelle Konterspezialist, will Milsmann bei den 10-km-Läufen in Herford und Bad Salzuflen erneut seine Kondition beweisen.
Eindrucksvolles Steigerungspotenzial hat Heiko Redecker gezeigt: Gegenüber seiner Premiere 2004 mit Platz 617 und 1:48:38 Std. drückte der Brockhagener seine Zeit um gut 18 Minuten, die Platzierung auf Rang 294 - und vor allem auch das Körpergewicht: »Die Waage zeigt jetzt nicht mehr dreistellig an«, schmunzelte der groß gewachsene Handball-Keeper im Ziel, wo er von Töchterchen Linja empfange wurde.
Auch Hans Feuß, stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbundes und früherer Handballcoach, hatte sich durchgekämpft: »Die traumhafte Sicht wie im Vorjahr hatten wir diesmal leider nicht. Aber unangenehm war nicht das Laufen bei dem Wetter, sondern nur das Warten auf den Startschuss.«

»Holiday on Ice« für die Walker

Werther(WB). 105 Männer und Frauen absolvierten in der Walking-Wertung einen verkürzten 13-km-Kurs, der auch an die Sportler im flotten Marsch-Schritt erhöhte Anforderungen stellte. Willi Rose, allgemeiner Vertreter der Wertheraner Bürgermeisterin, brachte es auf den Punkt: »Im Wald war das auf einigen glitschigen Passagen wie bei Holiday on Ice.« Und Roses Hobby: Tanzsport - ist durchaus glattes Parkett gewöhnt. Angetan war der Nordic Walker von der Atmosphäre: »Im Vorjahr war das noch ein Beschnuppern zwischen Läufer und Walker, da fielen schon 'mal laute Worte, wenn man sich ins Gehege kam. Diesmal lief das alles rücksichtsvoller ab. Und der Zuschauerapplaus hat einen gegen Ende geradezu ins Ziel getragen.«

Schlammschlacht mit Bestzeiten
2. Böckstiegel-Lauf mit 1094 Startern

Von Hans Peter Tipp

Werther(WB). Ein neuer Teilnehmerrekord, erstaunliche Bestleistungen bei Männern und Frauen, zufriedene Gesichter bei schlammverschmierten Aktiven, agilen Veranstaltern und begeisterten Zuschauern: Mit der 2. Auflage am Samstag hat sich der Böckstiegel-Lauf durch den Teutoburger Wald nach Werther endgültig etabliert.
Dieses Mal strahlte der vom WESTFALEN-BLATT präsentierte Volkslauf, der über 18 Kilometer auf den Spuren des berühmtesten Wertheraners, Maler Peter August Böckstiegel (1889 - 1951), führt, sogar bis nach Kenia aus. Nun ja, zumindest bis dorthin, wo viele Athleten aus dem Läuferland trainieren - bis nach Detmold-Diestelbruch. Laufmanager Volker Wagner habe kurzfristig drei seiner Schützlinge »für einen harten Trainingslauf« angekündigt, berichtete Solbad-Chef Friedhelm Boschulte. Start- oder Siegprämien seien jedoch nicht geflossen. Aber die Afrika-Läufer sorgten für Aufsehen.
 »Wenn ich mich hier umschaue, ist der Sieg heute nicht drin«, sagte der zweifache Hermannslauf-Sieger Marcus Biehl (SV Brackwede) schon vor dem Start. Und so kam es auch: David Plimo, 2005 Gewinner des Kasseler Citylaufs, holte mit Streckenrekord (59:58 Minuten) den Sieg, während sich Biehl darauf beschränkte, das Maximale herauszuholen. Das war Platz zwei, wobei der Bielefelder vom Pech des anderen Kenianers profitierte. Der 21 Jahre alte Stephen Tapala rutschte bei Kilometer 13 aus, stürzte und verletzte sich leicht am Knie. Für den Sieg kam er nicht mehr in Frage.
 Lange lief die Spitze gemeinsam. Als Plimo am Fuß des 316 m hohen Hengeberges versuchsweise anzog, dann im steilsten Stück Biehl aber wieder passieren lassen musste, wurden die vermeintlichen Wunderläufer für den SVB-Läufer zu »normal sterblichen« Konkurrenten: »Da habe ich gemerkt, dass die auch schwer atmen mussten.« 
Plimos entscheidenden Zwischenspurt bei Kilometer 14 konnte Biehl aber nicht mehr kontern. Er wollte es auch nicht: »Das wäre lebensgefährlich gewesen. Da hätte ich einen Herzinfarkt gekriegt. Dennoch kam der Brackweder in Sichtweite des Siegers ins Ziel, ohne mit der Zeit zufrieden zu sein. »Ich wollte unter einer Stunde bleiben.« Trotz schwieriger Bedingungen ? die heftigen Regenschauer, die erst kurz vor dem Start in einen für die Läufer angenehmen Nieselregen übergegangen waren, hatten vor allem die Gefälleabschnitte in glitschige und seifige Rutschbahnen verwandelt -  fühlten sich die Aktiven pudelwohl. Biehl, der im Februar erstmals Vater wird, gewann der Schlammschlacht im Teuto gar positive Eindrücke ab: »Ich mag Cross und die Berge -  ein toller Lauf.« Nach Platz drei im Vorjahr sprang für Ausdauer-Ass Jörn Strothmann (LC Solbad) dieses Mal Rang vier heraus - mit ähnlicher Zeit wie im Vorjahr. 
»Das ist okay«, meinte der Borgholzhausener, der seinen Bruder Dirk, den Vorjahresgewinner in Werther, »entschuldigte«: »Er startet in einer Woche beim Marathon in Essen.« Jörn ist dann als Tempomacher dabei.