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Ein Lauf wie gemalt                                           Westfalen-Blatt 04.10.2004
1200 Sportler geben ein buntes Bild bei gelungener Premiere 
Von Hans Peter Tipp  (Texte) und Wolfgang Wotke (Fotos)

Werther (WB). Peter August Böckstiegel hätte seine Freude gehabt. Und vielleicht hätte der Expressionist (1889 - 1951) zu seinen Lebzeiten die Gesichter oder die Geschichte einer solch perfekten Premiere sogar auf einer Leinwand zum Ausdruck gebracht.
 1200 Aktive machten sich am Samstag auf die Spuren des Malers, des berühmtesten Sohnes der Stadt Werther. Es wurde gelaufen und gewalkt, was das Zeug hielt ? so schnell wie möglich, so gemütlich wie nötig. 
 »Mit viel Aufwand vorbereitet hat der Lauf alles gebracht, was er bringen sollte«, fasste Friedhelm Boschulte vom LC Solbad Ravensberg, der den Lauf, der maßgeblich vom WESTFALEN-BLATT unterstützt wurde, als sportlicher Ausrichter in bewährter und routinierter Art und Weise unter die Fittiche genommen hatte, seine Eindrücke zusammen: »Alle können rundum zufrieden sein.«
Die 18 km-Strecke war derjenigen nachempfunden, die der Maler von 1907 bis 1913 zwischen seinem Heimatort und der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Bielefeld zurücklegen musste. Während damals Holzlatschen getragen wurden, bevorzugten die »Böckstiegel von heute« gedämpfte und bequeme Laufschuhe. Dazu dominierten bunte, funktionale Sporttextilien das Bild, das die Läuferinnen und Läufer auf dem welligen, aber tendenziell abschüssigen Weg von Peter auf'm Berge bis zum Venghauss-Platz in Werther hinterließen. 
Das Angebot eines freundlichen Busfahrers auf dem Weg zum Start (»Soll ich Euch auf halber Strecke wieder einsammeln?«), wurde genauso freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Alle hatten sich gut vorbereitet, und fast alle fanden den Weg ins Ziel ? unterstützt von erstaunlich vielen Neugierigen, die sich auch unterwegs an all jenen Stellen eingefunden hatten, die einfach zu erreichen waren. »Da war ja richtig was los. Die Zuschauer waren toll«, staunte Siegerin Anke Kemmener.
In der Böckstiegel-Stadt herrschte am Vortag eines verkaufsoffenen Sonntages Volksfest-Atmosphäre. Landrat Sven-Georg Adenauer hatte es sich als Schirmherr nicht nehmen lassen, im leuchtend orangefarbenen T-Shirt, das jeder Läufer erhielt, bei der Siegerehrung die einleitenden Worte zu sprechen. Bürgermeisterin Marion Weike gab zu, dass sie diese Strecke per pedes ganz bestimmt nicht bewältigt hätte. Dafür hatte sie im Hiddenhausener Bürgermeisterkollegen Ulrich Rolfsmeyer immerhin einen ranggleichen Kommunalpolitiker ausfindig gemacht, der sich auf sportliche Weise auf dem Laufenden gehalten hatte. Rolfsmeyer benötigte für die 18 km exakt 1:43:54 Stunde und belegte damit in seiner Altersklasse einen respektablen 94. Platz.
Ansätze zur Kritik gab es kaum. Dass viele Aktive die Wellen des Kurses auf den letzten zwei, drei Kilometern als »gemein« einstuften, gehörte einfach dazu. Dass wie bei vielen anderen Volksläufen diejenigen, die nicht schnell genug ins Ziel kamen, mit einer kalten Dusche bestraft wurden, war schon ärgerlicher. Besonders »fies« war allerdings, dass zwischenzeitlich gar kein Wasser aus den Leitungen tröpfelte. Aber all das wurde von den Betroffenen mit viel Humor und von den Nicht-Betroffenen mit noch mehr guten Ratschlägen hingenommen.

Strothmänner nehmen Reins in die Mitte
Heimvorteil genutzt

Werther (WB/tip). Am Ende trennte fast eine Minute den Gewinner von seinem Verfolger. Dirk Strothmann vom LC Solbad Ravensberg sicherte sich am Samstag in 1:00:48 Stunde den Sieg beim 1. Böckstiegel-Lauf vor Oliver Reins von der SV Brackwede. Dritter auf dem Podium war der Bruder des Siegers: Jörn Strothmann.
»Ohne Gegenwind auf den letzten Kilometern hätte ich vielleicht die Stundenmarke geknackt«, berichtete der als Läufer erfolgreiche Duathlet aus Borgholzhausen. Zuvor war er bei ansonsten optimalem Laufwetter unter anderem dem Triathleten Ingmar Lundström davongelaufen. Der als Mitfavorit gehandelte Hermannslaufsieger von 1999 gab schließlich wegen Magenschmerzen auf.
Zu diesem Zeitpunkt war aber auch der spätere Zweite schon an ihm vorbeigezogen. Oliver Reins von der SV Brackwede zeigte sich am Ende seines ersten Wettkampfjahres als Läufer in bestechender Form. »Ich bin sehr zufrieden. Ich hatte mir eine Zeit von 3:25 Minuten pro Kilometer vorgenommen, und das habe ich geschafft.« 
Der 31-Jährige aus dem Bielefelder Ortsteil Ummeln hatte bis vor einem Jahr als defensiver Mittelfeldspieler der Bezirksligafußballer des VfL Ummeln und des VfL Schildesche auf sich aufmerksam gemacht. Dann stieg er um und verbesserte sich seither kontinuierlich unter Aufsicht seines erfahrenen Trainers Udo Brandt-Hüdepohl. 
Inzwischen hat Reins auch die Taktik des Laufens verinnerlicht. »Die Strothmänner sind mal wieder wie die Feuerwehr losgelaufen. Aber so langsam habe ich es schon raus, dass ich mit denen nicht mitlaufen muss, sondern dass die Läufe länger dauern«, meinte Reins, der im kommenden Jahr nicht nur sportliche Ziele hat. Er wird heiraten. Und vielleicht beflügelt ihn diese Aussicht ja zusätzlich. Sein Training ist jedenfalls auch auf den Hermannslauf ausgerichtet.
Während der siegreiche Dirk Strothmann vor allem auf den zahlreiche Gefälle-Abschnitten die entscheidenden Meter herauslaufen konnte, meinte sein Bruder Jörn: »Mir wäre das entgegengesetzte Streckenprofil entgegengekommen. Bergab habe ich gegen Dirk keine Chance.« 
Am Ende nahmen sie den Konkurrenten beim Zieleinlauf sozusagen in die Mitte, und das gefiel allen: Dirk Strothmann war mit dem Sieg (»Der Erfolg war heute das Wichtigste«) zufrieden, Oliver Reins, der sich von Kilometer zu Kilometer verbessert hatte, mit der Zeit (»Darauf kommt es mir an«) und Jörn Strothmann mit dem Podiumsplatz. 
Sie alle werden sich bei der OWL-Winterlaufserie wieder treffen. Der nächster Lauf (Halbmarathon) ist am 7. November in Verl.

Das Duell der schnellen Mütter
Siegerin Anke Kemmener liegt im Ziel deutlich vor Antje Strothmann

Werther (WB/tip). Das Duell der schnellen Mütter entschied Anke Kemmener für sich. Die Lübbeckerin, die für den ATSV Espelkamp startet, gewann den Böckstiegellauf in Werther ungefährdet vor Antje Strothmann aus Borgholzhausen.
 Die beiden Top-Läuferinnen kennen sich nun schon seit 15 Jahren. Und aus der sportlichen Konkurrenz ist längst eine private Freundschaft geworden. »Wir verabreden uns hin und wieder, damit unsere Kinder miteinander spielen können«, berichtet Antje Strothmann von der identischen Interessenlage zweier Frauen, die inzwischen eben auch für den eigenen Nachwuchs verantwortlich zeichnen. 
Das Training muss seitdem zwar etwas häufiger hinten anstehen, aber dennoch konnten sich die Zeiten gut sehen lassen. Anke Kemmener hatte aus der Vorbereitung auf dem Münster-Marathon Anfang September eine blendende Verfassung in den Herbst gerettet. Auf dem Weg nach Werther setzte sie sich bereits bei Kilometer vier von ihrer Freundin und Verfolgerin ab und lief danach ein souveränes Rennen. Damit hatte sie nicht unbedingt gerechnet: »Ich bin am Berg eigentlich nicht so gut«, findet sie. Dieses Mal aber kam sie gut durch und hatte natürlich viel Vergnügen unterwegs: »Wenn man sich gut fühlt und keine großen Schwierigkeiten hat, macht jeder Lauf Spaß.«
Für die Duathletin Antje Strothmann, die nach ihrem zweiten Platz beim Hermannslauf gesundheitsbedingt nicht konsequent üben konnte, bedeutete der Platz hinter Anke Kemmener »das Optimum an diesem Tag«. Seit Anfang August hatte auch noch eine Sehnenscheidenentzündung am Fuß das Training erschwert, so dass sie mehr als zufrieden war: »Ich hatte mich gedanklich schon auf Platz drei eingeschossen«, sagte sie. Im Bestreben, den »Silber-Platz« dennoch bis ins Ziel zu verteidigen, rettet sie knappe fünf Sekunden Vorsprung vor der Dritten Karin Schmalfeld (ASG Teutoburger Wald). 
Die Orientierungsläuferin, die als beste deutsche Aktive in dieser Disziplin beim Weltcup-Finale in Dresden (17. bis 25. Oktober) noch einen Platz unter den ersten Zehn erreichen will, zeigte sich gut vorbereitet und behauptete ihren Podiumsplatz mit lediglich einer Sekunde Vorsprung vor der Schloß Holterin Gisela Steinbeck. Die 36-Jährige ist amtierende westdeutsche Meisterin über die Halbmarathon-Distanz und bestätigte den großen Leistungssprung, den sie mit ihrem Trainer Hansi Böhme in diesem Jahr gemacht hat.


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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