>> Presse-Archiv

Überraschung durch Neuling Pohle

Werther. Zwei unerwartete Gesamtsiege und ein starkes Auftreten der älteren Generation prägten das Hauptrennen des 14. Böckstiegel-Laufs, der als Regenwettkampf auf teilweise schlammigen Teuto-Pfaden in Erinnerung bleiben wird. Dem 18-Kilometer-Debütanten Henrik Pohle von der SV Brackwede schienen die schwierigen Bedingungen nichts auszumachen: Ein Jahr nach seinem überlegenen Erfolg auf der Zehn-Kilometer-Strecke dominierte der 28-Jährige am Samstag auch auf der längsten Distanz seiner bisherigen Laufbahn.
„Wenn ich mir etwas vornehme, gehe ich das auch konsequent an“, kommentierte Pohle seine offensive Taktik, mit der er sich gleich nach dem Start vom Feld löste, auch vom Mitfavoriten Jan Kerkmann. Der hatte sich trotz noch nachwirkender Marathon-Strapazen – er war sechs Tage zuvor in Berlin gestartet – Hoffnung auf Platz eins machen können: Elias Sansars Absage war bekannt, Hendrik Pohles Teilnahmepläne aber nicht.
„Ich fühlte mich wieder einigermaßen erholt, auch noch während des Laufs. Doch mein Tempo reichte nicht, an Hendrik heranzukommen“, erklärte Kerkmann. Pohle, der sich hier schon auf seinen ersten Hermannslauf einstimmen wollte, hatte vorher nur eine Sorge: „Ich muss den Berg überstehen. Wenn das gelingt, komme ich auch durch.“ Kerkmann nahm für den »TRC Classic« die Idealpunktzahl 1 mit. Und er hielt es für sinnvoll, „mal einen Lauf mit so extremen Bedingungen zu erleben“.
Zu den Gewinnern zählten auch Senioren aus dem Altkreis. Solbads Dirk Strothmann (48) hatte gezögert und sich dann doch zur Teilnahme entschlossen. Belohnt wurde der zweimalige Sieger mit dem Bronze-Rang und natürlich mit dem Klassensieg. „Ich habe ja kein umfangreiches Lauftraining absolviert, dafür aber etwas für die Oberkörper-Kräftigung getan. Das zahlt sich bei diesen Bedingungen offenbar aus.“
Stark präsentierte sich auch der für den TSVE Bielefeld startende Raoul Kempmann. Bei seiner elften Teilnahme wurde er mit 1:10:27 Stunden Gesamtfünfter im großen Feld und gewann die gut besetzte Klasse M 50. Ältester Klassensieger war der unverwüstliche Solbader Karl-Friedrich Anwander (M 75).
Frauensiegerin Mareike Walkenhorst vom TSVE Bielefeld staunte selbst am meisten über ihren klaren Sieg, wusste aber auch: „Die Konkurrenz war diesmal ja nicht so stark.“ Nach mehreren Spitzenplätzen beim »Böckstiegel« hatte sie wegen einer Hauterkrankung lange aussetzen müssen.
Im Vorjahr wurde sie Dritte, jetzt landete sie auf Platz sieben: Sabine Engels vom LC Solbad, wieder beste Altkreisläuferin im Feld, war dennoch zufrieden: „Alles gut, der Platz ist okay. Für mehr konnte ich in diesem Jahr einfach nicht trainieren.“ LC-Vereinskollegin Marianne Niemann haderte nach dem Lauf: „Jetzt macht mir das andere Knie Probleme.“ Ihr erneuter W 60-Sieg dürfte die Schmerzen zumindest ein wenig gelindert haben. Lokales Werther


Youngster Kempmann beeindruckt

Werther (cwk). Ein Routinier setzte sich über zehn Kilometer souverän durch: Ingmar Lundström, zum Jahresanfang in die M 45 aufgerückt, siegte in 35:30 Minuten vor dem zwei Dutzend Jahre jüngeren Solbader Jan Geisemeier. 2009 und 2011 hatte Lundström auch das 18-Kilometer-Hauptrennen gewonnen, Ende der Neunziger war er im Solbad-Trikot Hermannslaufsieger geworden.

Jan Geisemeier wiederholte nicht nur seinen zweiten Platz, sondern trotz der widrigen Witterung mit 36:08 Minuten auch fast genau seine Zeit vom Vorjahr (36:06). Als Gesamtdritter bewies ein junger Wertheraner sein Talent: Neilan Kempmann (Jahrgang 2001), wie sein Vater Raoul für den TSVE Bielefeld aktiv, lieferte 37:33 Minuten ab.

Bei den Frauen dominierte mit 37:49 und fast viereinhalb Minuten Vorsprung die 24-jährige Gütersloherin Michelle Rannacher, die wie Ingmar Lundström klar favorisiert ist für den »Short«-Gesamtsieg in der TRC-Serie. Das Altkreis-Aufgebot führte Siemke Lüdorff (W 45) mit 47:18 Minuten an, die W 45-Seniorin zählte zu den vier Klassensiegerinnen des LC. Eine von ihnen, Christine Diekhaus (W 50), zeigte sich gut gelaunt: „Es war zwar extrem matschig, hat aber auch Spaß gemacht.“


Läufernachwuchs erweist sich als wetterfest

Werther (BNO). Der Wertheraner an sich ist wetterfest. Jedenfalls gilt das ganz besonders für die Jugend. 187 Mädchen und Jungen gingen am Samstag bei strömendem Regen beim Böckstiegel-Lauf an den Start. Nur ein Teilnehmer weniger als bei der sonnigen Vorauflage im Jahr 2016.

Eckard Kleine-Tebbe stimmte die Teilnehmer des Schülerlaufs per Flüstertüte auf das Rennen ein. Ob alle Läufer die Ohren gespitzt hatten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn eifriges Hüpfen und Hopsen war im Startbereich zu beobachten. 2,5 Kilometer mussten sie hinter sich bringen. Der Schnellste schaffte dies in 8:42 Minuten: Bjarne Heidner setzte sich souverän an die Spitze des Teilnehmerfeldes und ließ den Zweitplatzierten knapp zehn Sekunden hinter sich. Das Mitglied des LC Solbad Ravensberg hatte sich deutlich gesteigert. Im Vorjahr hatte er noch 10:25 Minuten gebraucht.

Ebenfalls vom LC Solbad Ravensberg und damit vom Verein, der den Lauf zum wiederholten Mal mit Erfolg organisierte, kommt das schnellste Mädchen. Die Stoppuhr blieb für Malin Bruhns bei 8:54 Minuten stehen.

Prämiert wurden nicht nur die Schnellsten ihrer jeweiligen Altersklasse (siehe Info-Kasten). Auch die stärksten Teilnehmergruppen wurden ausgezeichnet. Zwei Teams mit jeweils 14 Jungen und Mädchen waren dabei. Von der Grundschule Werther-Langenheide gehörten die »Rennschnecken« gleich zum zweiten Mal in diese Kategorie. „Von dem Preisgeld sind wir im vergangenen Jahr ins Kino gegangen“, berichtete Eva Brandes-Herlemann. Die Mutter eines der Kinder hatte im Vorfeld genauso mit den Kindern trainiert wie deren Sportlehrerin Jutta Hüllinghorst.

»Quetztal« hieß die Klasse, für die die Gesamtschüler an den Start gegangen waren. Auch hier wurde mit den beiden Klassenlehrerinnen Nadine Witt und Daniela von der Heyden fleißig im Vorfeld geübt. Aufgrund der Pattsituation erhöhte die Kreissparkasse das Preisgeld kurzerhand auf 200 Euro, so dass jede Gruppe sich über 100 Euro für die Klassenkasse freuen durfte.

Im Zielbereich auf dem Venghauss-Platz warteten die Zuschauer, die einen Wald aus Schirmen aufgespannt hatten. Wer konnte, sicherte sich ein trockenes Plätzchen unter einem der Vordächer. Den Kindern machte das schlechte Wetter weniger aus. Sie waren einfach stolz, dass sie die Strecke geschafft hatten.