Der Mensch

Peter August Böckstiegel wird 1889 in Werther (Arrode) geboren. Seine Eltern sind Kleinbauern und Leineweber. Das karge bäuerliche Umfeld und die westfälische Landschaft prägen ihn zeitlebens.

Nach der Schulzeit in Werther spielt Bielefeld eine wichtige Rolle in Böckstiegels Leben. Hier macht er eine Maler- und Glaserlehre und besucht zwischen 1907 und 1913 die hier zu dieser Zeit gerade neugegründete Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Diese Strecke musste von ihm zu Fuß - zum Teil in Holzschuhen - zurückgelegt werden. Daran knüpft der Böckstiegel-Lauf symbolisch an.

Der 1. und 2. Weltkrieg, die Zerstörung Dresdens und damit die Vernichtung eines Großteils seines Werkes, anschließend die Nachkriegswirren und der Neubeginn in der alten Heimat in Werther - diese Ereignisse markieren die Eckpfeiler in Böckstiegels Biographie als Künstler und Mensch. 1951 starb P.A. Böckstiegel in seinem Haus in Werther (Arrode).

Der Künstler

P.A. Böckstiegel erlernt zunächst das Malerhandwerk. Er entdeckt die französischen Expressionisten für sich und während seines Studiums in Dresden lernt er die zeitgenössische Kunstszene kennen. Dort entwickelt sich sein ureigener, unverwechselbarer Stil, der ihn zu einem bedeutenden Künstler des vergangenen Jahrhunderts macht.

Das Werk

Herkunft, Leben und Werk sind in Böckstiegels Biographie untrennbar miteinander verbunden. Sein breitgefächertes handwerkliches Fundament gibt ihm die Möglichkeit, sich in vielen Techniken künstlerisch auszudrücken: Malerei, Grafik, Plastik, Mosaik,Glaskunst. Böckstiegels Werk - Zeugnis seiner Zeit - wird überdauern

Das Peter August Böckstiegel-Haus

In dem kleinen Neubauernhaus in Werther-Arrode, das die Familie Böckstiegel im Jahr 1888 bezieht, wird am 7. April 1889 der Sohn Peter August geboren, und im Jahr 1951 stirbt er hier.

Für den Bauernsohn, der Künstler wurde und über 30 Jahre lang die Wintermonate in der Großstadt Dresden verbrachte, blieb dieses Haus der wahre Lebensmittelpunkt und seine Zuflucht nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Böckstiegel verbrachte regelmäßig die Sommermonate hier, lebte das Leben der Menschen, die er malte - seine Familie und die Nachbarbauern. In seinen Bildern wird die karge Existenz jener Jahre deutlich: Elektrizität gab es nicht - die Porträts entstanden abends bei flackerndem Petroleumlicht, gewaschen wurde in Holzwannen, gebuttert in hölzernen Bottichen. Der Wechsel der Jahreszeiten, der für die Landwirtschaft so prägend ist, hielt er in seinen Gemälden ebenso fest wie die mühsame Arbeit der Kleinbauern, die noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ihr Land weitgehend ohne technische Hilfsmittel bestellten.
Vor allem seine Eltern unterstützten Böckstiegels künstlerische Arbeit, und sie tauchen häufig in seinen Bildern auf, genauso wie die Schwestern, der Bruder, die Neffen und Nichten und die Nachbarbauern.
Böckstiegels künstlerische Konzentration auf die engste heimatliche Umgebung war keine Weltflucht, sondern er ließ die kleine Arroder Welt zu einem Spiegel der großen Welt da draußen werden.
Das Haus paßte sich im Laufe der Jahre den Lebensbedingungen Böckstiegels an: im Jahr 1921 wurde links ein Sommeratelier angebaut, 1945 der Ateliertrakt rechts. Böckstiegel ergänzte die Fassade mit selbstgeschnitzten farbigen Balken und schuf nach Motiven seiner Aquarelle Glasfenster.
Zu seinen Lebzeiten blieb das Haus jedoch hauptsächlich ein funktionierender Bauernhof, auf dem Nutztiere gehalten wurden und die umliegenden Felder bestellt.
Seit Böckstiegels Tod im Jahr 1951 sorgten hier zunächst seine Witwe Hanna und jetzt seine Kinder Sonja und Vincent für den Erhalt und die wissenschaftliche Aufarbeitung des künstlerischen Werkes.
Der Böckstiegel-Lauf führt vorbei an diesem Lebensmittelpunkt des Künstlers, durch die Landschaft, die auf seinen Gemälden jederzeit wiederzuerkennen ist.

Dr. Vita von Wedel


P.A. Böckstiegel
vor der Staffelei, 1948

Mädchen mit roter Puppe
1914, Ölgemälde
Eltern auf dem Roggenfeld
um 1922, Aquarell
Dornberg (Blick vom Mühlenbrink auf Kirchdornberg - hier führt auch die Laufstrecke vorbei)
um 1920, Gemälde

Böckstiegel-Gedicht

Böckstiegel tat es einst in Clogs.
Der Läufer heut trägt running-socks,
dazu gedämpft, gemasht, hightech,
jeweils der Schuh am rechten Fleck.

Tendenziell geht es bergab.
Doch warum fühle ich mich schlapp,
wenn ich den Rosen Steffen seh?
Warum quält mich ein Ach und Weh?

Die Schlossstraße geht steil bergan!
Warum? Na, weil ich nicht mehr kann!
Muskel und Geist wird ständig schwächer,
innerer Ruf nach einem Rächer,
der dieser Last ein Ende macht.

Doch dann: die Sonne folgt auf dunkle Nacht,
ein letzter, heller Kampfesgeist,
der Selbstmitleid von Seele reisst,
die Faust geballt, Techno in Ohren,
hier wird gesiegt und nicht verloren!

Das Rathaus ist bereits gesichtet,
Hysterisch Blick auf Uhr gerichtet,
Noch einmal anziehen statt hinken
Die Ravensberger auch noch sprinten.

Kein Blick, volle Konzentration,
Das Ziel ist jeden Läufers Lohn.
Erreicht in angemessener Zeit,
ist man dann wieder schnell bereit,

dem nächstem Run ganz unerschrocken,
die fünf Sekunden abzuzocken, die dieses
Mal vielleicht noch fehlen –
Kein Läufer kann das wohl verhehlen.

Böckstiegel, Hermann und so weiter
sind somit vorbildhafte Streiter,
für Disziplin im guten Sinne und für:
Da is doch noch was drinne ;-)

Christine Jendrike, am Tag danach! (7.Oktober 2007)